E. M.

Forster

Der bri­ti­sche Roman­au­tor, Essay­ist, Sozial- und Lite­ra­tur­kri­ti­ker Edward Morgan Fors­ter wird am 1. Januar 1879 in London gebo­ren. Sein Vater, ein Archi­tekt, stirbt noch vor dem zwei­ten Geburts­tag des Sohnes an Tuber­ku­lose. So wird der junge Edward von seiner Mutter und Tanten väter­li­cher­seits in Rooks­nest auf­ge­zo­gen, dem spä­te­ren Vor­bild für Howards End.

Die Unter­schiede zwi­schen den beiden Fami­lien, ein streng evan­ge­li­ka­les Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl auf der väter­li­chen Seite und eine groß­her­zig-groß­zü­gige müt­ter­li­che Seite, hin­ter­las­sen bei ihm ein blei­ben­des und tief­ge­hen­des Ver­ständ­nis für häus­li­che Span­nun­gen.

Er schreibt seine ersten Geschich­ten mit sechs, besucht die Ton­bridge School in Kent und stu­diert anschlie­ßend Geschichte, Phi­lo­so­phie und Lite­ra­tur am King’s Col­lege in Cam­bridge.
Nach einer unglück­li­chen Schul­zeit blüht er auf, kann seinen eige­nen intel­lek­tu­el­len Nei­gun­gen folgen und ent­wi­ckelt seinen Begriff von der Ein­zig­ar­tig­keit des Indi­vi­du­ums, erkennt, wie gesund maß­vol­ler Zwei­fel sein kann, und begreift die Bedeu­tung der medi­ter­ra­nen Zivi­li­sa­tio­nen als Gegen­ge­wicht zum sprö­den Norden. Fors­ter wird Mit­glied des als Cam­bridge Apost­les bekann­ten Stu­den­ten­clubs, aus dem in der Folge die Blooms­bury Group her­vor­ge­hen wird.

Nach Abschluss seines Stu­di­ums begibt er sich gemein­sam mit seiner Mutter auf die erste von vielen Reisen nach Europa. Man besucht Ita­lien, dann Grie­chen­land und Fors­ter lernt den Süden kennen.
Nach­dem er Cam­bridge ver­las­sen hatte und, dank des beacht­li­chen Erbes einer Groß­tante, frei von finan­zi­el­len Sorgen, beschließt Fors­ter sein Leben dem Schrei­ben zu widmen. Seine ersten Romane und Kurz­ge­schich­ten ent­ste­hen in einer Zeit, die sich der Fes­seln des Vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ters zu ent­le­di­gen sucht. Sie weisen in ihren prä­zi­sen Beob­ach­tung des bür­ger­li­chen Lebens bereits starke sozi­al­kri­ti­sche Züge auf.

1904 wird er zum ersten Mal in der Inde­pen­dent Review ver­öf­fent­licht. Später schreibt er viel für das Lon­do­ner Lite­ra­tur­jour­nal The Athenaeum. Auf seinen ersten, in der Tos­kana spie­len­den Roman Where Angels Fear to Tread (1905, dt. Engel und Narren), folgt der Bil­dungs­ro­man The Lon­gest Jour­ney (1907), dessen Prot­ago­nist Rickie Elliot stark auto­bio­gra­fi­sche Züge trägt. 

In A Room With a View (1908, dt. Zimmer mit Aus­sicht) setzt Fors­ter erneut dem ita­lie­ni­schen Schau­platz die gesell­schaft­li­chen Kon­ven­tio­nen des edwar­di­schen Eng­land ent­ge­gen.

Wäh­rend des Ersten Welt­kriegs ver­wei­gert Fors­ter den Kriegs­dienst und geht als Frei­wil­li­ger mit dem Roten Kreuz nach Ägyp­ten. Unter dem Pseud­onym Pharos“ ver­öf­fent­licht er Kurz­ge­schich­ten in der loka­len Presse. Erwäh­nens­wert sind u.a. Alex­an­dria: A His­tory and Guide (1922), sowie Pharos and Pha­ril­lon: A Novelist’s Sketch­book of Alex­an­dria Through the Ages (1923), ver­öf­fent­licht von Leo­nard und Vir­gi­nia Woolfs Hogarth Press. 

A Pas­sage to India (1924, dt. Auf der Suche nach Indien) schil­dert die bri­ti­sche Kolo­ni­al­herr­schaft zu Beginn der indi­schen Unab­hän­gig­keits­be­we­gung, ohne sich jedoch zu sehr auf das Poli­ti­sche zu kon­zen­trie­ren. Viel­mehr beschreibt er die Freund­schaft zwi­schen einem indi­schen Arzt und einem bri­ti­schen Lehrer wäh­rend eines Gerichts­pro­zes­ses gegen ers­te­ren. Es ist der letzte Roman, den Fors­ter zu Leb­zei­ten ver­öf­fent­licht. Mau­rice, den er um 1914 geschrie­ben hatte, wird auf seinen eige­nen Wunsch, wohl wegen der homo­se­xu­el­len The­ma­tik, erst 1971, nach seinem Tod, ver­öf­fent­licht.

1946 wird er Hono­rary Fellow in Cam­bridge und kann dort bis zu seinem Tod unter­rich­ten und wohnen und so den Aus­tausch mit Alt und Jung nie abrei­ßen lassen.

In den 50er-Jahren schreibt er das Libretto zu Ben­ja­min Brit­tens Oper Billy Budd, welche auf Herman Mel­vil­les gleich­na­mi­gen Roman von 1924 basiert. 

Die Themen Wahr­haf­tig­keit und Güte sind beson­ders für den spä­te­ren Fors­ter von über­ra­gen­der Bedeu­tung. Eine Aus­söh­nung der Mensch­heit mit ihrer Lebens­grund­lage, der Erde, einer­seits, sowie ihrer eige­nen Vor­stel­lungs­gabe ande­rer­seits, mag das höchste Ziel gesell­schaft­li­cher Ent­wick­lung sein, aber Fors­ter sieht es zuneh­mend zurück­ge­drängt von einer Gesell­schaft, die sich mehr und mehr dem tech­ni­schen Fort­schritt widmet. Der gesunde Men­schen­ver­stand, Wohl­wol­len und Rück­sicht auf den Ein­zel­nen müssen in Forsters Wahr­neh­mung den­noch auch wei­ter­hin kul­ti­viert werden. Hier­aus fol­gert Fors­ter seine zahl­rei­chen Appelle für die Demo­kra­tie und eine libe­rale Gesin­nung.

Am 7. Juni 1970 stirbt Edward Morgan Fors­ter 91-jährig in Coven­try.