Das Mädchen aus dem Lampen­docht

Cover „Das Mädchen aus dem Lampen­docht“ Rückenansicht „Das Mädchen aus dem Lampen­docht“

Hardcover

44 Seiten

177 mm × 296 mm

24,00 €

978-3-903117-01-3

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Ein Märchenbuch für Kinder
und die, die es ihnen vorlesen

erzählt von Jing Wang & Otto Milowiz
illustriert von Sigrid Eyb-Green

Sieben Brüder mit märchenhaften Fähigkeiten, listige Berater, ein böser Kaiser und eine gemeine Königin – es versammeln sich viele bekannte Figuren. Und doch, auch wenn das Gute immer siegt und die braven Reisbauern glücklich bis an ihr Ende leben, so schwingt immer etwas exotisches, ja fremdes mit und macht diese Märchen zu viel mehr als unterhaltsamen Kindergeschichten.

China, dieses gewaltige Land, wird von den unterschiedlichsten Völkern bewohnt. Jing Wang und Otto Milowiz versuchen den Erzählungen eine Heimat zu geben und gehen – kindergerecht, aber auch für Erwachsene spannend – den jeweiligen Eigenarten der verschiedenen Volksgruppen nach, aus deren Überlieferung die Erzählungen stammen.

Wer das Buch in Händen hält, wird durch das hohe Format nicht von ungefähr an chinesische Rollbilder erinnert. Es deutet sich die Brücke an, die Sigrid Eyb-Green durch ihre wunderbaren Zeichungen zur fernöstlichen Fabelwelt schlägt – ohne dabei den europäischen Blick auf die literarische Gattung „Märchen“ zu unterschlagen.

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„Wenn man mit dem Kaiser vernünftig reden könnte, dann wäre er nicht Kaiser!“

Zum Inhalt

Die sieben Brüder, ein Märchen der Han
Das Mädchen aus dem Lampendocht, ein Märchen der Miao
Das fliegende Kleid, ein Märchen der Dongxiang
Die Legende vom Reis, ein Märchen der Hani

Mit 36 farbigen Illustrationen, sowie Informationen zu den verschiedenen Volksgruppen und einer kurzen Einführung zu „chinesischen Märchen“.

Über chinesische Märchen

Wer heute in China von Märchen spricht, denkt fast zwangsläufig an die Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder Carlo Collodi, da das „Märchen“ als eigene Literaturgattung erst in den 1930er-Jahren durch Übersetzungen aus anderen Sprachen in China bekannt wurde. Der chinesische Begriff für Märchen „Tónghuà“, wörtlich „Für Kinder Gesprochenes“, entstand auch erst um diese Zeit.

Traditionell gesehen bildet das Märchen in China „kein streng gesondertes Gebiet“, wie der große deutsche Sinologe und Übersetzer Richard Wilhelm (1873 – 1930) im Vorwort seiner chinesischen Märchensammlung anmerkte: „Von den Ammengeschichten und Fabeln bis zu Göttermythen, Sagen und Novellen sind die Grenzen durchaus schwankend. Das Wunderbare gehört für China noch zum natürlichen Weltlauf, so dass sich hier keine scharfe Grenze ziehen lässt.“

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Auch das traditionelle chinesische Kunstmärchen richtete sich nicht nur an Kinder oder eine junge Leserschaft. Ein hervorragendes Beispiel ist Die Reise nach Westen von Wú Chéng’ēn (1501 – 1582), in dem von der Reise des historischen Tang-Mönchs Xuánzàng zum westlichen Himmel erzählt wird. Er wird von drei mythischen Kreaturen, dem von Himmel und Erde geborenen steinernen Affenkönig Sūn Wǔkōng, dem Wasserdämon Shā Wǔjìng und dem Halbschwein-Halbmensch Zhū Bājiè begleitet.

Im Zug der Veröffentlichung der Übersetzungen von ausländischen Märchen erschien 1923 das erste moderne Kunstmärchen Chinas, Vogelscheuche von Yè Shèngtáo (1894 – 1988). Seither werden auch in China zahlreiche Kunstmärchen (bekannt unter dem Begriff „moderne Märchen“) geschaffen, die allerdings fast ausnahmslos Spuren ausländischer Literatur zeigen.

China ist ein Mehrvölkerstaat. Neben den Han gibt es nach offizieller Zählung weitere 55 Volksgruppen. Fast jede Volksgruppe hat ihre eigenen Volksmärchen, die mündlich über Generationen überliefert worden sind. Inhaltlich haben sie oft einen regionalen Bezug: Seien es geografische Besonderheiten, Sitten und Gebräuche, bestimmte Geschehnisse, historische oder erfundene Persönlichkeiten oder übernatürliche Phänomene und Wesen aus der Fantasiewelt.

Die chinesische Sprache

Die chinesische Sprache heißt auf Chinesisch Hanyu, also Sprache der Han. Anders als die Alphabetschrift besteht die chinesische Schrift vorwiegend aus Logogrammen. Die Bedeutung der einzelnen Sprachausdrücke wird durch grafische Zeichen wiedergegeben.

Ein Schriftzeichen repräsentiert in den meisten Fällen eine Silbe. Um die Aussprache eines Schriftzeichens anzugeben, wird seit 1958 die Pinyin-Laut­umschrift mit lateinischen Buchstaben und einem zusätzlichen Tonzeichen verwendet, das die Melodie beim Sprechen anzeigt. Auf dieses Tonzeichen sollte man besonders achten! Wenn man einen anderen Ton verwendet, könnte es sein, dass man falsch verstanden wird. Ein Beispiel: Statt niǎo (Vogel) mit dem dritten Ton könnte niào (pinkeln, vierter Ton) verstanden werden.

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